Auf der Weiterfahrt hatte ich „meine“ Gruppe verloren; stattdessen fand ich mich in einem „Haufen“ wieder, der vor Hektik und Unruhe nur so strotzte. Ein paar Kilometer bei Alt-Du­venstedt verlor ich schließlich nicht nur den Anschluss zur Gruppe, sondern auch die ausge­schilderte Fahrstrecke; statt der erwarteten vielen roten Rücklichter vor mir nur Dunkelheit!! Zum Glück fand ich aber die richtige Strecke schnell wieder. Ab jetzt musste ich alleine wei­terfahren. Die Richtungspfeile der Streckenmarkierung reflektierten zwar gut im Scheinwer­ferlicht, waren aber sparsam angebracht; es galt, im Dunklen den Weg nicht noch mal zu verlieren.
N
ach 60 km und ca. 2:30 Stunden Fahrzeiterreichte erreichte ich kurz hinter Schles­wig die erste Kon­troll- und Verpflegungsstelle. Mitten in der Nacht boten auf dem Gelände der Feuerwehr Dannewerk freundliche und hilfsbereite Fahradfreunde des örtlichen Radsportvereins eine reichhaltiger Auswahl an Verpflegung an, Kaffee durfte um diese Zeit natürlich nicht fehlen! Bei nur leichtem Gegenwind ging es Richtung Wes­ten nach Husum weiter. Kurz nach 4:30 erreichte ich in der Morgen­dämmerung die 2. Kontrollstelle in einem Vorgarten am Rande von Husum; auch hier abwechslungs­reich geschmierte Stullen, eine große Auswahl an Obst, Kaffee und freundliche Men­schen. Immer noch allein fuhr ich jetzt mit Rückenwind in südli­che Richtung, um Friedrichstadt, das „deutsche Venedig“, herum in die Dithmarschen; un­terwegs zeit­weise leichter Nieselregen. Hier fuhr ich zu ein paar vor mir liegenden Fahrern auf; etwas später - kurz vor 7 Uhr - erreichten wir zusammen die dritte Ver­pflegungs­stelle in Wes­seln nahe Heide; das Angebot dort ließ ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Hier traf ich Vera und Axel Sendtner-Voelderndorff wieder, Radsportfreunde, die ich von mehre­ren Ma­rathons in NRW kenne und bereits ein paar Stunden vorher beim Verlassen der 1. Verpflegungsstelle kurz gesehen habe.
Begleitet von zwei Hamburger Radsportfreunden ging es jetzt von der nahen Küste weg in die Geest hinein. Hier warteten die ersten und einzigen Anstiege der Strecke auf uns, für „Bergzie­gen“ nicht mehr als „ein paar Schippen Sand“. Etwas später überquerten wir den Nord-Ostseekanal und er­reichten kurz danach die letzte Kon­trollstelle in Hadermar­schen. Nach inzwischen etwas mehr als 200 zurückgelegten Kilometern gönnte ich mir hier eine etwas längere Verschnaufpause von etwa 20 Mi­nu­ten. Inzwischen kam Michael Hardt aus Kürten im Bergischen Land hinzu, den ich be­reits von mehreren Radma­rathons zum Super-Cup oder der NRW-Challenge kenne. Zusam­men nahmen wir die restlichen 46 Km, die es noch so einmal richtig in sich hatten, bis zum Ziel unter die Räder. Auf dem letzten Stück kam die Sonne her­aus; leider kam der Wind jetzt schräg von vorne, und das gab mir den Rest. Punkt 11 Uhr kam ich ziemlich platt wieder im Schulzentrum von Nortorf an; dort brauchte ich wirklich gute 15 Minuten, um Atemrhythmus und Kreislauf wieder in den Griff zu krie­gen. Beim Frühstücksbuffett reichte mir ein Pott Kaffee. Stattdessen genehmigte ich mir eine Mütze Schlaf und bin mit dem schönen Gefühl, anspruchsvolle 260 Km ge­schafft zu haben, ziemlich schnell eingeschlafen.